Herzlich Willkommen bei Coconut-Talk, deinem Podcast über das Leben in Indonesien.
Mein Name ist Gunda und gemeinsam werden wir die zahlreichen Inseln Indonesiens entdecken.
Mari – los gehts!
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge bei Coconut-Talk! Ich habe mich diesmal mit Anni verabredet. Anni lebt schon seit ein paar Jahren in Bali und sie hat auf Bali die Marke Kali Dogwear gegründet. Wir haben uns in unserem Gespräch drüber unterhalten wie Anni überhaupt nach Bali gekommen ist, warum sie auf Bali geblieben ist und wie es dazu kam, dass sie jetzt ein eigenes kleines Business betreibt. Wobei, so klein es ist es schon gar nicht mehr, weil sie mittlerweile schon bis nach Deutschland expandiert hat. Wir haben uns außerdem über die Situation der Straßenhunde auf Bali unterhalten, wie es aktuell aussieht vor Ort, was man auch selber machen kann und was es für Möglichkeiten gibt wenn man dort ein bisschen unterstützen möchte. Wenn dir die Folge gefällt, darfst du diesen Podcast gerne abonnieren. Du darfst mir auch eine Bewertung hinterlassen, das kannst du bei Spotify oder iTunes machen, oder teil die Folge oder den Podcast mit Freunden und Bekannten. Wenn du mich kontaktieren möchtest, kannst du das gerne tun unter hallo@coconut-talk.com. Ich freue mich auf deine Nachricht und wünsche dir jetzt viel Spaß beim Zuhören!
Gunda: Hallo Anni, schön, dass du heute mein Podcast-Gast bist!
Anni: Hallo, ich freue mich auch!
Gunda: Wie bist du denn überhaupt nach Bali gekommen, welche ersten Berührungspunkte hattest du mit Indonesien, fangen wir doch mal da direkt an?
Anni: Ich hatte gar keine Berührungspunkte mit Indonesien und tatsächlich auch gar nicht mit Asien. Ich war vorher nie in Asien. Ich habe jahrelang in einer Agentur gearbeitet, wie man das so kennt, lange Arbeitszeiten, viel Stress, war dann einfach ausgebrannt und brauchte dringend eine Veränderung, war einfach nicht mehr glücklich, war auch nicht mehr glücklich in Hamburg. Und dann bin ich auf Bali aufmerksam geworden weil eine Freundin auch dort war, die ein Surf Rent dort hat, die meinte „Komm doch nach Bali“. Dann habe ich meinen Job gekündigt und bin nach Bali gereist, ohne zu wissen was mich eigentlich erwartet, ohne vorher in Asien gewesen zu sein. Ich habe geplant sechs Monate dort zu bleiben und mich parallel ein bisschen selbständig zu machen, einfach zu schauen, was will ich eigentlich machen. Ja, so bin ich nach Bali gekommen.
Gunda: Und wann war das, in welchem Jahr?
Anni: Das war 2017, im November.
Gunda: Okay, das sind ja auch jetzt schon bald 5 Jahre. Und dann bist du dort angekommen und hast nach 6 Monaten gemerkt och, hier ist es ja gar nicht so schlecht?
Anni: Genau! Ich habe tatsächlich in diesen sechs Monaten gemerkt, je näher der Abreisetag kam, desto trauriger und unruhiger wurde ich. Und ich wusste, ich kann nicht zurück in mein altes Leben, ich möchte nicht mehr in Hamburg wohnen, ich möchte meine Wohnung aufgeben, ich möchte hier bleiben und dann einfach schauen wie lange es funktioniert. Meine Selbständigkeit hatte dann schon begonnen und das lief auch irgendwie einigermaßen, also dachte ich ok jetzt oder nie. Und nach den sechs Monaten, ich hatte schon mein Ticket nach Hause, bin ich erst noch für drei Monate nach Barcelona gegangen, mit Freunden. Ich habe auch dieses Digital-Nomad-Life tatsächlich da das erste Mal so richtig gelebt, also erst in Bali und dann in Barcelona. Was mir vorher gar nicht bewusst war, dass es das gibt, ich bin da irgendwie so reingeschlittert. Und dann bin ich nach Hamburg, habe meine Wohnung aufgelöst, meine Sachen verkauft, habe einen Flug gebucht und bin zurück nach Bali.
Gunda: Toll, und dann in Bali, wie ging es dann weiter?
Anni: Ich war dann ja selbstständig und habe aber immer noch sehr viel gearbeitet und war auch so ein bisschen, muss schon sagen auch am strugglen. Selbständigkeit ist nicht einfach und auch wenn es immer alles rosig aussieht, Kokosnüsse am Strand, muss man doch auch viel tun damit man sich etabliert. Ich hatte Glück, weil ich ein gutes Netzwerk noch hat aus meiner Agentur Zeit und habe immer mal Jobs bekommen und habe aber gemerkt, dass ich trotzdem immer noch sehr sehr sehr viel arbeite. Ich habe dann nach zwei Jahren wirklich viel arbeiten das erste Mal gesagt ok ich brauche jetzt mal Urlaub, ich muss jetzt mal frei machen und wirklich nichts tun und bin dann für zwei Wochen auf eine kleine Insel geflogen, Sumatra. Da habe ich dann ganz viele Bücher gelesen und hab realisiert, es hat sich irgendwie nichts geändert in meinem Leben, ich arbeite immer noch super viel. Natürlich steht meine Gesundheit irgendwie an erster Stelle, ich mache Yoga, ich surfe, aber ich arbeite halt immer noch sehr sehr viel und schlängel mich von Monat zu Monat und habe realisiert, dass ich wachsen musst, um aus diesem Hamsterrad rauszukommen. Ich bin zurückgekommen und habe mit meinem Partner eine Firma gegründet in Indonesien. Und darüber konnte ich dann meine erste Designerin für meine Agentur einstellen und hab gemerkt ok ich habe auch Lust im Team zu arbeiten und möchte nicht alles alleine machen. Von da ging es dann bergauf.
Gunda: Interessant, dass du das vorhin gesagt hast mit diesem Hamsterrad. Weil ich kenne das ja so aus Deutschland immer, dass man in so einem Hamsterrad drin ist und irgendwie nicht rauskommt. Aber es stimmt schon, bloß weil man irgendwie im Paradies lebt, heißt es ja noch nicht, dass man da nicht auch gefangen sein kann. Das stellt man dann schon auch nach einer Zeit fest, es ist nicht alles Gold, was glänzt und man muss auch hier genauso schauen wie es weitergeht und was man auf die Beine stellen kann.
Anni: Ja definitiv! Und wenn man dann immer nach Sprüche aus Deutschland hört, du bist doch am Strand und arbeitest doch unter Palmen… Ja natürlich, die Umgebung ist super und das ganze Surrounding ist total toll aber man hat trotzdem den Struggle. Muss trotzdem morgens aufstehen, man muss seine Kunden finden, muss Rechnungen schreiben, muss Rechnungen bezahlen und das war schon am Anfang sehr sehr hart. Und auch dieses Beweisen, dass man`s kann, das kommt da natürlich auch hinzu. Dass man merkt, es wird ganz schön knapp, aber dass man dann doch irgendwie das unbedingt beweisen möchte, dass man alleine als Selbständige überleben kann. Ja, das war schon ein harter Kampf.
Gunda: Ja wow und jetzt bist du ja noch mehr gewachsen, also wir kommen ja gleich noch mehr zu dem Thema. Zu deiner Zeit in Bali, du warst dann erstmal auf der Insel Sumatra bist aber wieder nach Bali zurückgekommen. Was fasziniert dich denn da so am meisten an dieser Insel, dass du sagst ok hier möchte ich bleiben? Weil Indonesien ist ja auch riesengroß, man kann ja da überall unter Palmen arbeiten, sage ich jetzt mal, was ist denn da an Bali so besonders für dich?
Anni: Was für mich besonders ist, ist einerseits die Community, also meine Freundin, die ich dort gefunden habe. Das fängt an mit Personal Development, dass alle interessiert sind an all diesen Themen, welches Buch liest du gerade, meditierst du, machst du Yoga, welche Kurse besuchst du, wie wächst du eigentlich persönlich. Dann natürlich der ganze Lifestyle um das Surfen. Ich bin nach Bali gekommen und konnte nicht surfen. Mittlerweile bin ich eine leidenschaftliche Surferin und jeder Urlaub dreht sich um´s Surfen. Aber auch dass man trotzdem Bequemlichkeiten hat. Ich bin tatsächlich auch sehr auf Essen fixiert, dass es da sehr sehr viele gute Restaurants gibt. Das ist für mich tatsächlich auch sehr wichtig. Und natürlich auch gute Coworking-Spaces. Ich muss ehrlich sagen, am Anfang habe ich dann mal hier und da aus Cafés gearbeitet und habe aber gemerkt, dass ich dort aber nicht produktiv bin. Ich brauche einfach ein Büro, das kalt genug ist, dass mein Gehirn funktioniert, weil ich sonst einfach nicht richtig arbeiten kann. So schön es sich anhört, unter Palmen arbeiten, ich brauche ein Büro, ich brauche einen guten Stuhl, ich brauche eine ? (Min. 09:04) und nur dann kann ich auch wirklich produktiv arbeiten. Aber das alles bietet Bali. Und dann natürlich der Mix mit den Kulturen, also klar Bali ist auch sehr touristisch aber trotzdem. Was mich von Anfang an fasziniert hat, dass in einem Umkreis von einem Kilometer drei unterschiedliche Religionen zusammenkommen und alle leben friedlich miteinander. Ich merke das immer wieder, dazu kommen wir noch später, aber in meinem Team sind alle Religionen vertreten, alle super offen miteinander und freuen uns jedes Mal wenn irgendwas stattfindet. Man lernt voneinander und diese Offenheit, die fand ich schon immer sehr sehr schön und dass man sich einfach von Anfang an sehr willkommen fühlt.
Gunda: Ja, schön. Gibt´s denn aber auch etwas, was du vermisst aus Deutschland? Außer natürlich Freunde und Familie, das ist ja schon immer so eigentlich das wichtigste wenn man in einem anderen Land lebt. Aber gibt’s denn da etwas speziell bei dir?
Anni: Ja genau, also klar, Freunde, Familie. Ich bin ja jetzt auch gerade derzeit auf Europa-Tour, Urlaub und mir fehlt schon manchmal auch der europäische Stadt-Vibe, also einfach durch die Straßen schlendern, in die Galerie gehen, Museum besuchen. Das Kulturelle was natürlich auch immer mehr in Bali kommt, Konzerte, Festivals, das wird irgendwie immer mehr auch gemacht. Aber das muss ich sagen, das fehlt mir schon, diese internationale Kultur, wenn man das so beschreiben kann.
Gunda: Vorhin haben wir schon ein paar Mal erwähnt, dass du eben ein Unternehmen gegründet hast. Magst du da ein bisschen was erzählen, wie es denn dazu kam, was es überhaupt ist, wie du es mit eigenen Worten beschreibst am besten?
Anni: Genau, wir haben ein Unternehmen gegründet, weil wir Land kaufen wollten. Wir hatten irgendwann entschieden, Indonesien wird immer unser Lebensmittelpunkt bleiben und sein. Und wir haben dann geschaut, was wir eigentlich in der Zukunft machen wollen und haben dann Land gefunden. Um dieses kaufen zu können, mussten wir dafür eine Firma gründen. Das ist ein sehr schwieriger, langer und komplizierter Prozess, es gibt sehr viele Grauzonen, es gibt sehr viele Unklarheiten, es gibt sehr viele Meinungen. Wir haben uns glaube ich ein Jahr lang durchgewurschtelt wie das Ganze auszusehen hat, wie das funktioniert, wir haben mit Anwälten gesprochen, mit Agenturen, mit einer Notarin. Bis wir dann einen Notar gefunden haben, der uns das ganze aufsetzt, das musste dann später aber noch mal überarbeitet werden, weil der Dokumente fehlten. Ich hatte dann die Design- und Marketingagentur und parallel aber noch ein zweites Unternehmen gegründet und habe dann erst realisiert, dass ich ja jetzt in Bali auch tatsächlich ein Business aufmachen kann. Und das hat so ein bisschen auch den Knoten zum Platzen gebracht. Das war gar nicht das Ziel, aber auf einmal war das so okay wow, jetzt kann´s losgehen.
Gunda: Das heißt eigentlich war das erstmal nur Mittel zum Zweck, um Land zu kaufen, damit das mit den Papieren und so weiter legal ist. Und am Schluss so hey, jetzt habe ich ja auch eine Genehmigung dafür, okay cool. Und was sucht man sich dann aus, was macht man dann?
Anni: Du meinst als Unternehmen, was man dann macht?
Gunda: Ja, genau.
Anni: Naja also bei mir sind´s die Hunde (lacht). Ich habe vor zweieinhalb Jahren Kali Dogwear gegründet. Das ist mein zweites Unternehmen, was umweltfreundliche Hundeprodukte herstellt und auch das war so ein bisschen ein Zufallsprodukt. Ich habe vor 3 Jahren meinen eigenen Hund aus dem Fluss gerettet und brauchte dann irgendwann ein Hundehalsband. In Bali gab es einfach keine schönen langlebigen Hundehalsbänder, die nicht unbedingt nur aus Plastik bestehen. Wenn man schon mal in Indonesien war, dann weiß man auch, dass die Verschmutzung dort, das Plastikproblem, die Verschmutzung der Meere ein sehr sehr großes Problem ist. Und damit hatte ich mich auch von Anfang an beschäftigt, habe Unternehmen oder NGOs unterstützt, bin regelmäßig zu den Beach-Cleanups gegangen, weil mich das wirklich auch sehr beschäftigt hat und habe meine eigene Nutzung tatsächlich umgestellt. Ich habe sehr viel mehr auf Einmal-Plastik verzichtet, ich bin immer mehr zu den ? (Min. 14:13) gegangen. Ich habe sehr viel umgestellt in meinem eigenen Leben z.B. nutze ich jetzt nicht mehr Plastik Rasierer sondern Metall Rasierer, all so Geschichten. In meinem eigenen Leben habe ich alles umgestellt und wollte dann aber alles auch für meinen Hund umstellen und eben nicht das billige 3 € Plastik Hundehalsband kaufen. Ich habe dann gesagt, gut dann schaue ich mal was ich selber machen kann, es gibt ja hier einige Materialien. Ich habe dann recyceltes T-Shirt-Yarn gefunden, aus Java. Das sind Überreste von Stoffen, die in einer Garment Factory über bleiben. Und dann habe ich nach Metallverschlüssen geschaut, weil ich keine Plastikverschlüsse nutzen wollte und dann habe ich mich abends hingesetzt, YouTube angeschmissen und irgendwie selber ein Hundehalsband gebastelt. Das sah dann irgendwie ganz okay aus, aber ich wusste auch da ist noch mehr drin und habe dann jemanden gesucht, der mir dabei helfen kann. Eine indonesische Frau hat mir dann wunderschöne Hundehalsbänder geknüpft aus diesem recycelten Yarn und dann hat sie noch Kokosnussgarn dazu genommen. So sind dann langsam diese ersten Kali Dogwear Halsbänder entstanden, erstmal nur für mich, bis Freunde sagten, kann ich auch eins haben. Zeitgleich ist dann diese Firma entstanden dann habe ich realisiert, ich könnte die jetzt auch hier verkaufen. Zeitgleich war ich auch noch sehr involviert in die Rettung der Straßenhunde. Meine Freundin Desi war immer am strugglen Geld zu finden, Donations zu finden für die ganzen Straßenhunde die sie rettet, jeden Tag kam gefühlt ein neuer Hund dazu. Das heißt sie hat dann jeden Tag nach Donations gefragt und ich wollte das unterstützen. Ich habe aber einfach gemerkt okay, da muss irgendwas nachhaltigeres passieren, dass man nur von Donations lebt, das funktioniert nicht. Das heißt das Ziel war von vornherein auch einerseits nachhaltige und umweltfreundliche Produkte herstellen aber andererseits auch einen großen Teil des Profits zu spenden, damit das dann wiederum an die Straßenhunde geht, weil mich das schon sehr sehr beschäftigt hat.
Gunda: Das heißt sie hat eine Organisationen, eine NGO, kann man sich das so vorstellen? Ist das auch ein Shelter oder kümmert sie sich einfach nur, also nimmt sie auch Hunde auf oder ist das einfach nur Futter geben und so weiter, wie ich kann man sich das vorstellen?
Anni: Es ist kein offizieller Shelter, sondern es sind größtenteils Hunde, die sie selber rettet. Das heißt sie nimmt auch immer mal externe Hunde auf, wenn jemand sie anschreibt. Aber grundsätzlich ist das Puppy House immer überfüllt mit den Hunden, die sie selber von der Straße holt. Das heißt sobald sie einen Hund in Not sieht, schaut sie, kann der Hund auf der Straße überleben, wird er sterilisiert und kriegt Medikation. Oder es ist ein kleiner Welpe, der von der Straße runter muss und ins Puppy House muss. Das Puppy House hat sie glaube ich vor 1,5 Jahren geöffnet, weil sie zu Hause mit 10-15 Hunden gelebt hat und das einfach langsam ein bisschen voll wurde. Und sie natürlich auch dadurch begrenzt war. Jetzt haben sie das Puppy House und da geht es dann einfach darum Hunde von der Straße holen, behandeln, sterilisieren und neue zu Hause finden. Also auch das ganze resozialisieren, viele Hunde haben natürlich auch ein Trauma. Die gehen dann zum Strand, die machen eine kleine Übung, die werden dann auch mal mit nach Hause gebracht, die werden zur Pflegestelle gebracht. Dass sie einfach ein bisschen sozialisiert werden, bis sie dann zu ihrer zukünftigen Familie kommen.
Gunda: Das heißt durch deine Verkäufe von den Produkten geht dann auch einen Teil an sie und das Puppy House?
Anni: Genau, am Anfang haben wir mit 20 % Profit gestartet, aber es hat sich rausgestellt das ist einfach nicht haltbar, das ist sehr sehr viel. Sind dann auf 5 % Profit Spenden runtergegangen und konnten dadurch aber unsere Marke auch stärken. Wir haben gemerkt, wir müssen mehr verkaufen können um mehr zu spenden und wenn die Produkte so teuer sind, weil wir so viel spenden, haben wir keine Verkäufe. Genau, und das ist über das letzte Jahr tatsächlich sehr sehr stark gewachsen.
Gunda: Schön, also mit Halsbändern angefangen und nachdem du es dann zum Verkauf angeboten hast, was kam denn dann so als nächstes noch mit dazu, als du gemerkt hast, ok jetzt das läuft?
Anni: Ich habe dann als nächstes, weil ich ein Hundebett brauchte für Kali, meinen Hund, ein Hundebett entwickelt. Das heißt ich habe mit einem Schneider zusammengearbeitet, ich habe geschaut wie kann man das denn eigentlich füllen. Weil die Hundebetten, die man in Bali bekommt, haben diese weißen Styropor Bälle als Füllung oder so eine Art synthetische Watte und das wollte ich nicht. Das heißt ich habe dann geschaut was kann man denn eigentlich sonst noch machen und ich habe dann die Kokosnussfaser gefunden, die ich ja auch schon als Garn für meine Halsbänder verwendet habe. Ich habe dann so einen Sack Kokosnussfaser bestellt und habe einfach mal ein Hundebett damit gefüllt und es hat funktioniert und dann hatte ich aber mein Hundebett. Das kam noch viel viel besser an, weil das noch viel fortschrittlicher war und es so in der Art auch einfach nicht gab. Und zusätzlich auch noch und dann müssen wir selber loben, sehr schön aussah. Das heißt, das war dann auch noch ein Produkt, was man sich gerne in´s Wohnzimmer legt. Weil so ein Hundebett, na ja das ist halt im Weg und wenn das dann irgendwelche bunten wilden Muster hat, dann ist das schon auch manchmal sehr störend im Interior Design. Und das ging richtig richtig gut los bis zu dem Punkt wo mein komplettes Haus gefüllt war mit Hundebetten, Kokosnussfaser, komplett bis zum Platzen gefüllt. Und ich meinte das geht so nicht mehr, ich kann hier nicht irgendwie zwischen Hundebetten leben. Dann habe ich
eine Lagerstätte gesucht, habe mir Garagen angeschaut und bin dann irgendwann durch Zufall über einen Shop gestolpert, der, da muss man auch mal sagen der Pandemie sei Dank, sehr sehr günstig war. Warum sollte ich eine Garage mieten, wenn ich den Shop mieten kann für den gleichen Preis und dann kann ich halt irgendwie ein Lager mit einem Shop haben. Und das war halt auch legal einfach auf einmal alles möglich, da wir die Firma gegründet haben und dann habe ich vor einem Jahr im Juni einen Shop eröffnet. Seitdem sind ganz viele weitere Produkte hinzugekommen und wir haben stetig Produkte weiterentwickelt. Ich habe dann auch für Kali Dogwear letztes Jahr im Juni meine erste Festangestellte eingestellt, die mir mit allem geholfen hat. Seitdem sind wir explodiert, haben mittlerweile 15 Partnershops, 14 in Bali, 1 in Jakarta. Und unseren eigenen Onlineshop natürlich, wir sind auf Märkten. Mittlerweile merkt man schon Kali Dogwear ist eine Marke, man kennt sie in Bali und wir haben ein bisschen eine Nische gefunden.
Gunda: Und eure Hauptshop ist dann wo?
Anni: Der Hauptshop ist in ? (Min. 22:20), ein bisschen weiter außerhalb, in Babacan (Min. 22:24). Das heißt, das liegt nicht groß an der Hauptstraße, aber das war uns auch persönlich egal, weil
einerseits könnten wir uns einen Shop an der Hauptstraße nicht leisten, zweitens war sowieso die Pandemie, das heißt es gab eh nicht viele Leute die shoppen gegangen sind. Und eigentlich wollten wir ja nur ein Lager haben. Dass wir jetzt den Shop zusätzlich hatten, war natürlich ein nettes Add-On. Das heißt, wenn uns jemand besuchen wollte, dann haben wir sie eingeladen und dann konnten sie zu uns in den Shop kommen. Aber Spoiler, wir werden jetzt in einer Woche in einen neuen Shop ziehen.
Gunda: Wow, okay cool, auch in der Gegend oder woanders hin?
Anni: Woanders, wir haben vor einem Monat unsere eigene Inhouse-Produktion eröffnet. Also haben wir irgendwann beschlossen okay, wir verschiffen jetzt auch die Produkte nach Deutschland. Ich habe eine Produktionsmanagerin eingestellt, weil ich einfach sichergehen wollte, es gibt dort jemanden, der sehr sehr sehr viel Ahnung hat von allen Produkten, der die Qualitätssicherung machen kann und mit den ganzen Factories Hand in Hand zusammen arbeitet und sicherstellt, dass die Produkte zeitnah fertiggestellt werden. Das haben wir mit externen Factories gemacht, wir haben dann aber vor 2-3 Monaten entschlossen, dass wir uns einfach nicht in diese Abhängigkeit begeben wollen. Weil einerseits gab´s halt immer Verzögerungen, Verspätungen, die Qualität war nicht gut genug und wir sind halt komplett ausgeliefert, wenn sie die Preise erhöhen. Und das ist halt auch andauernd passiert, so dass wir dann gesagt habe okay. Meine Produktionsmanagerin hatte in ihrem Jahres-Feedbackgespräch gesagt, das wäre mein größter Wunsch, wenn wir eine Inhouse-Produktion hätten. Daraufhin meinte ich okay, let´s do it und dann haben wir vor einem Monat unsere eigene Inhouse-Produktion eröffnet. Haben jetzt zwei Schneider, die für uns arbeiten und seitdem können wir auch ganz viele neue Produkte entwickeln, weil wir einfach viel mehr Flexibilität haben. Und das ist aber einem anderen Ort und der Shop ist an dem anderen Ort und in beiden Bereichen wurde jetzt die Miete stark erhöht, weil die Pandemie zu Ende ist die Mieten werden erhöht. Jetzt haben wir uns überlegt, dass wir beides zusammenführen und so eine Art Erlebnis-Shop machen. Das heißt wir haben eine größere Fläche gemietet, im Hintergrund wird die Produktion sein und im Vordergrund wird dann der Shop sein, so dass dann auch jeder, der in den Shop kommt sehen kann, wie die Produkte produziert werden. Das heißt, alles ist super transparent, man sieht die Schneider im Hintergrund sitzen. Uns ist auch wichtig, dass natürlich die Arbeitsbedingungen stimmen und ich finde das ist ein sehr persönlicher Ansatz wenn man in den Shop geht und sieht wie wird das eigentlich alles gemacht.
Gunda: Ja vor allem in der heutigen Zeit, wo auch Nachhaltigkeit so ein wichtiges Thema ist und faire Arbeitsbedingungen und so weiter, ja stelle ich mir schön vor, bestimmt toll!
Anni: Ja, ich bin ganz aufgeregt.
Gunda: Ja und du hast vorhin gesagt, ihr verschifft jetzt auch nach Deutschland, also ihr verkauft die Produkte auch in Deutschland. Stelle ich mir jetzt auf der Unternehmerseite trotzdem ein bisschen schwer vor, diese ganze Sachen rüber zu bringen, wie händelt ihr das, wie macht man das?
Anni: Ja das war auch so ein bisschen Learning-by-doing, ich hatte auch keine Ahnung und ich komme auch gar nicht aus dem Bereich, bin Designerin und mach Marketing, aber ich komme überhaupt nicht aus dem Bereich E-Commerce, Produktion, Logistik. Das war dann einfach so ein langsames Herantasten. Wir haben Preise eingeholt, ich habe mit Firmen gesprochen, die das dann für uns übernehmen. Ich habe Fulfilment Center in Deutschland gesucht, also es sind sehr sehr viele Bausteine tatsächlich, die man irgendwie zusammenfügen muss. Wir haben im Oktober letzten Jahr entschieden, dass wir verschiffen wollen, haben dann ziemlich schnell die Produkte produziert und im Dezember den Container losgeschickt, 30 Kubik und der kam dann erst im März im Hafen an, das hat ewig gedauert. Das war auch sehr sehr teuer und ich habe mich auch etwas verrechnet, ich bin nicht sehr gut mit Zahlen und habe mich ein bisschen verrechnet. Ich wollte eigentlich 10 Kubik senden, habe aber 30 Kubik gesendet, das war dann noch viel teurer. Dreimal so teuer, das war schon echt ganz schön krass, das auf einmal so große Kosten auf mich zukommen, egal das passt schon irgendwie. Naja und jetzt seit April sind die dann wirklich auch in dem Fulfilment Center, mir sind noch zwei Fulfilment Center abgesprungen last minute, das war auch ein bisschen schwierig. Dann hat es ewig gedauert, bis die Produkte durch den Zoll kamen, die Agentur, die die Verzollung übernommen hat, die war ein bisschen langsam, also waren überall so ein paar kleine Steine im Weg. Nichts wirklich schlimmes, aber es ist auch ein sehr sehr großes Learning und ich wusste von vornherein, dass das jetzt wahrscheinlich ein Investment wird um zu lernen. Ich bin jetzt ganz gespannt, seit April sind die Produkte hier und wir starten jetzt langsam das Marketing. Wir sind auch mit Partner Shops hier in Deutschland im Austausch und jetzt geht’s darum zu schauen, wie funktionieren die Produkte auf dem deutschen Markt. Nur weil es in Indonesien funktioniert, heißt es nicht, dass es auch in Europa funktioniert. Aber wir sind sehr sehr zuversichtlich weil wir echt sehr gutes Feedback bekommen.
Gunda: Schön. Und du möchtest aber trotzdem in Bali bleiben und dort auch weiterhin vor Ort sein und nicht irgendwann umziehen nach Deutschland wieder?
Anni: Genau, also ich vermisse Deutschland schon teilweise und brauche jedes Mal so ein bisschen meine Deutschland-Spritze aber ich sehe mich langfristig schon in Indonesien. Mein ganzes Team ist auch dort und ich liebte es einfach mit denen zusammen zu sitzen, wir haben dann unsere wöchentlichen Meetings und das Leben dort bietet mir einfach so so so viel und ich merk auch jedes Mal wenn ich zurückkomme nach Deutschland bzw. Hamburg, dass mein Leben auf Bali auch sehr viel gesünder ist. Klar man kann sich immer auch ein gesundes Leben schaffen aber in Bali fällt mir das wesentlich leichter und von daher, ich will nie nie sagen, Pläne können sich immer ändern, aber derzeit ist der Plan dort zu bleiben.
Gunda: Wie groß ist denn euer Team im Moment, wie viele Leute habt ihr da?
Anni: Wir haben mittlerweile sechs für Kali Dogware. Eine, die für den Shop und für die ganzen Partnerschaften zuständig ist, eine die die kompletten Finanzen macht, eine für die Produktion, dann die beiden Schneider und dann haben wir noch eine, die uns auf den Märkten vertritt. Also stetig wachsend, super super tolles Team, ich bin total glücklich, also mir geht das Herz auf wenn ich im Meeting sitze und die ganzen Ideen sprudeln raus und jeder hat sehr viel Initiative. Das bringt das ganze Unternehmen voran, da muss ich sagen, habe ich extrem viel Glück. Auch jetzt mit dem neuen Shop, die Renovierungsarbeiten sind jetzt gerade im vollen Gang und ich bin nicht dort und jeder der mal in Indonesien Renovierungsarbeiten gemacht hat oder gebaut hat, der weiß wie das ist. Aber ich muss sagen, die haben das super im Griff, fahren jeden Tag dorthin, senden mir Videos, besprechen alles Mögliche mit mir, das ist schon ganz toll, so ein tolles Team zu haben.
Gunda: Das macht dann auch die Schwierigkeiten und Herausforderungen wieder wett, mit denen man auch doch immer wieder konfrontiert ist in Bali oder in Indonesien.
Anni: Definitiv ja. Ich habe letztens einen schönen Satz gelesen, da musste ich sehr schmunzeln:
Einfache Sachen sind sehr sehr schwer und schwere Sachen sind sehr sehr einfach in Bali oder Indonesien. Da musste ich sehr schmunzeln. Also wenn man denkt, das darf doch jetzt nicht so schwer sein, dann wirst du überrascht, wie schwierig es dann doch ist und umgekehrt.
Gunda: Stimmt. Man lernt auch immer wieder dazu, spannend. Jetzt nochmal zu den Produkten, Gibt’s schon so einen Bestseller, wo du sagst, das geht auf jeden Fall? Du hast ja vorhin schon gesagt, die Hundebetten sind ziemlich cool und sehen auch sehr schick aus. Wie ist das denn, was kommt am besten an? Und was ist auch dein eigener Favorit?
Anni: Tatsächlich sind die Hundebetten der Bestseller, mit Abstand. Wir haben jetzt gerade eine neue Leine auf den Markt gebracht, die jetzt auch schon sehr sehr gut dabei ist. Das ist eine Leine, die so eine integrierte kleine Tasche hat, für Hunde Leckerlies, für Schlüssel, für Parking Money wenn man zum Strand geht. Die kommt auch sehr sehr gut an. Mein Favorit ist klar das Hundebett, weil die einfach sehr schön sind. Aber wir haben jetzt auch gerade ein Geschirr entwickelt und das finde ich persönlich einerseits sehr schön und andererseits auch sehr praktisch, weil mein Hund einen kleinen Tracker trägt. Den kann man dann sehr gut oben auf diesem Geschirr befestigen und das sieht einfach sehr süß aus, wie so ein kleiner Rucksack.
Gunda: Geschirre sind ja auch allgemein einfach angenehmer für den Hund, auch am Anfang gerade zum Trainieren und wenn die noch klein sind und so.
Anni: Genau, gerade wenn man einen Hund hat, der viel zieht oder der aggressiv ist. Wenn man dann nur so eine Zugleine hat, was dann halt immer am Hals schnürt, das ist nicht so angenehm. Und ich persönlich bin großer Fan von dem Geschirr, auch weil es nicht so leicht verloren geht. Ich glaube da haben wir jetzt gerade ein ganz schönes Produkt auf den Markt gebracht, das ist auch noch ganz frisch.
Da haben wir lange dran gebastelt und wir werden immer weiter dran basteln, das ist auch ein bisschen unsere Philosophie, dass wir wirklich jeden Tag versuchen irgendwas besser zu machen in unserem Unternehmen und immer unsere Produkte weiterbringen. Wir wollen wenig Stillstand haben. Wir lassen unsere Produkte ganz stark testen, wir freuen uns jedes Mal über Feedback, auch wenn es natürlich schmerzt, wenn jemand sagt, das war jetzt noch nicht so optimal. Aber am Ende lernen wir die ganze Zeit und versuchen alles zu verbessern. Ich bin großer Fan von Patagonia, wenn ich das kurz einwerfen darf und verfolge ihre Geschichte ganz stark und wie die so die Firmenphilosophie aufbauen. Ich versuche ganz viel davon mitzunehmen. Wir haben gerade vor kurzem, dadurch dass wir diese Inhouse Produktion haben, den Dogbed Repair Service in Bali eingeführt. Das heißt jeder der ein Hundebett von Kali Dogwear hat und die Hundebetten gehen nun mal kaputt aus irgendeinem Grund, die Hunde beißen rein oder spielen drauf, lässt sich nun mal nicht vermeiden, aber wir haben gesagt, trotzdem möchten wir, dass diese Hundebetten so lange wie möglich halten. Das heißt wenn dann ein kleines Loch entsteht, können die das zu uns in die Produktion bringen, dann machen wir das zu und dann können Sie das Bett weiter benutzen. Das ist uns auch sehr sehr sehr wichtig, das wir nicht nur ein Produkt verkaufen, um dann wieder ein Produkt zu verkaufen, sondern dass es wirklich auch lange hält. Das ist unser USP.
Gunda: Das ist super. Gibt nichts Schlimmeres, als wenn man dann irgendwas neu kaufen muss und es irgendwie kaputt geht und nicht mehr funktioniert. Du hast es ganz am Anfang auch angesprochen, du warst auf der Suche nach einem qualitativ hochwertigen Halsband. In Indonesien ist es ja tatsächlich so, nicht nur bei den Halsbändern, ich merke es jetzt auch wenn wir irgendwas für´s Haus brauchen, man muss so lange suchen oder dann wirklich was von außerhalb bestellen, es ist so schwierig gute Qualität zu finden, die dann auch noch gut aussieht. Egal was es ist, ob es Haushaltsgeräte sind, oder Schüsseln, Töpfe. Auf Bali hat man jetzt noch ein bisschen mehr die Auswahl denke ich, aber so allgemein Indonesien. Ich sage immer Plastik-Läden, es hat halt einfach nur Plastik. Die sieht man von weitem, die sind ganz grell bunt. Da gibt´s alles und alles ist aus Plastik. Alles für den Haushalt und Hauptsache es ist billig, das ist leider einfach immer noch so irgendwie verankert.
Anni: Ja genau, das ist es leider. Und man versteht natürlich auch wo das herkommt. Ich glaube es wird noch einige Jahre dauern, aber ich glaube man ist im Umbruch gerade, dass man versteht wenn man etwas mehr bezahlt und bessere Qualität bekommt und es länger hält, dann rentiert sich das halt total. Mein Lieblingsspruch ist immer bezahlst du wenig, kriegst du wenig, und so ist es nun mal leider, man darf echt nicht sparen. Und ich merke das jetzt selber auch, unsere Produkte sind relativ teuer, aber weil gute Materialien auch einfach teuer sind. Es war am Anfang sehr sehr schwierig
für mich diese Preise zu halten, weil man dann natürlich auch Rückfragen bekommt, warum sind die denn so teuer, warum sind andere Hundebetten günstiger. Und ich habe mich dann immer in dieser Position wiedergefunden, dass ich das Gefühl hatte, ich muss mich rechtfertigen. Bis ich verstanden habe, ich muss mich nicht rechtfertigen, fertig. Ich muss einfach nur Aufklärung betreiben und wir haben dann mal ganz transparent die Kosten aufgelistet für jedes Produkt, gesagt so viel kostet alles, das ist die Produktion, das sind die Materialien, das ist das Marketing, das sind die internen Kosten.
Und dann wird es auch verstanden, aber das Verständnis muss erst dafür da sein, dass gute Produkte leider einfach mehr kosten. Und das ist nicht, weil wir jetzt besonders hipster sein wollen oder einen besonderen Wert dieser Marke aufrechterhalten wollen, es ist halt einfach wirklich weil es einfach mehr kostet.
Gunda: Wir haben am Anfang auch schon mal ein bisschen über die Straßenhunde gesprochen, ich würde da so eine dezente Überleitung schaffen zur Situation auf Bali allgemein. Ich weiß nicht wie man das so mitkriegt in Europa, natürlich spätestens wenn man als Tourist kommt, sieht man natürlich was auf den Straßen los ist. Da fallen eigentlich Hunde besonders auch in´s Auge, vor allem auf Bali. Im westlichen Indonesien sind dann hauptsächlich Katzen, würde jetzt mal sagen, kommt natürlich drauf an wo man hingeht. In den christlichen Regionen hat man auch wieder ganz viele Hunde. Allgemein dieses Verständnis für Tiere ist denke ich bei Indonesiern noch nicht so ganz wirklich wie bei uns, dass man sagt okay, man muss sich kümmern, wie kann so eine Situation außer Kontrolle geraten und so weiter und so fort. Gehen wir jetzt bestimmt auch noch näher drauf ein. Wie ist denn jetzt allgemein die Situation auf Bali, wie würdest du das beschreiben, was Straßenhunde und allgemein Tiere auch betrifft?
Anni: Ja tatsächlich nicht sehr schön. Ich war überrascht, als ich vor viereinhalb Jahren nach Bali kam, wie schlimm es eigentlich ist. Und in den letzten zwei Jahren während der Pandemie ist es noch viel viel viel schlimmer geworden. Weil einerseits nicht genug Leute da waren, um sich um Straßenhunde zu kümmern, das heißt die ganzen normalen Rescue Leute, die auch die Hunde füttern, die Medikamente verteilen, die waren einfach nicht mehr da. Natürlich auch weniger Leute, die Pflegestellen sein können, also Leute, die vielleicht 2-3 Monate auf Bali im Urlaub sind, die dann sagen, okay lass uns doch eine Pflegestelle kreieren. Das hat einfach nicht mehr funktioniert, das heißt die ganzen Rescue Teams waren einfach komplett überfordert. Und das Geld war auch nicht mehr da, das heißt Leute haben nicht mehr so viel gespendet, weil alles sehr ungewiss war. Die ganze Situation in der ganzen Welt war natürlich irgendwie ein bisschen schwankend. In den letzten zwei Jahren ist es daher schon sehr schwierig geworden. Es gibt einerseits natürlich das Problem der unkontrollierten Vermehrung, das heißt ganz ganz wichtig sind natürlich Sterilisationen. Wenn keine neuen Welpen geboren werden, dann gibt’s auch kein Leiden. Dann gibt es natürlich Tollwut, was glaube ich auch das größte Problem ist, weil einerseits ist Tollwut natürlich extrem gefährlich und tödlich. Nicht nur für Hunde oder für Tiere, sondern auch für Menschen. Und dadurch dass Indonesien bzw. Bali, auch Lombok Tollwutgebiet war bzw. teilweise noch ist, haben vor allem die Indonesier natürlich einen anderen Bezug zu Hunden, weil die übertragen Krankheiten. Das heißt Hunde sind grundsätzlich erstmal gefährlich, ohne wirklich drüber nachzudenken, ist dieser Hund eigentlich infiziert. Tollwut ist ein großes Problem und dann ich weiß auch gar nicht so genau wo das herkommt, aber es wird sehr sehr viel Tierquälerei auch betrieben. Also einerseits gibt’s natürlich den Hundemarkt, das heißt Hunde werden gefangen und als Fleisch verkauft. Und auch wirklich brutal gefangen, die Beine werden zuerst verschnürt, das Maul wird verschnürt, dann in Säcke geschmissen. Dann werden Tiere teilweise wirklich gequält und getötet, ich weiß nicht wo die Quälerei herkommt, ich glaube auch weil es kein Gesetz dafür gibt bzw. das Gesetz wird jetzt langsam aufgesetzt. Es gab jetzt gerade vor kurzem einen ersten Fall, dass ein Mann verurteilt wurde weil er einen Hund gequält hat und das Video ist durch´s Netz gegangen. Der Mann wurde gefunden und wurde jetzt verurteilt. Keine große Strafe, aber es ist ein Meilenstein, dass es tatsächlich jetzt einmal eine Rechtsprechung gab im Sinne des Tierwohls. Aber so wie man das aus Europa kennt, das man Tiere nicht quälen darf, das gibt es einfach nicht. Und hinzu kommt noch, dass natürlich einerseits sehr viele Menschen denken, dass die Hunde Krankheiten übertragen, aber andererseits, wenn man jetzt z.B. ein Cafébesitzer am Strand ist und die Hunde hängen da ab, viele sehen das natürlich als unreinen Strand, weil die Hunde da abhängen. Das heißt die Tiere werden halt einfach vergiftet, es werden Giftköder ausgelegt, es gab gerade vor 2-3 Monaten sehr sehr sehr viele Fälle. Man glaubt, dass es damit zusammenhängt, dass die Grenzen in Bali wieder geöffnet wurden. Sehr viele Hunde wurden vergiftet, in ? (Min. 42:01) sind glaube ich 10 Hunde gestorben, in ? (Min. 42:03) auch mehrere und das ist einfach echt brutal. Dann kommt hinzu, dass natürlich vor allem die Locals nicht so viel Geld haben, das heißt die strugglen damit ihre Familien zu füttern, natürlich haben sie keine Zeit und kein Geld dafür sich mit ihrem Hund auseinanderzusetzen oder Geld in diesen Hund zu investieren. Und können natürlich auch keine Sterilisation bezahlen oder wissen auch nicht, dass es das gibt. Das heißt, wenn die einen Hund haben, der bei denen vor der Haustür lebt, der dann plötzlich Welpen bekommt, dann werden die Welpen halt genommen und weggebracht. Aus den Augen aus dem Sinn, die müssen dann halt irgendwo anders überleben. Also es gibt extrem viele verschiedene Fälle warum und wieso das Leben der Straßenhunde in Bali sehr sehr schlimm ist.
Gunda: Ja und jeder der einmal dort war, der sieht das eigentlich schon, dass es den Tieren nicht ganz so gut geht. Du hast auch gesprochen von den Vergiftungen, sind da auch andere Tiere betroffen, also Katzen oder sowas? Kriegt man sowas auch mit, oder sind es wirklich speziell die Hunde?
Anni: So ein zwei Fälle gibt es, dass die mal was essen und dann werden die auch vergiftet, aber ich glaube grundsätzlich sind die Hunde gefährdet, weil die wahrscheinlich auch eher irgendwas vom Strand fressen. Und diese Giftköder auch meistens in irgendwelchen Touristengebieten am Strand ausgelegt werden und Katzen laufen da jetzt nicht so viel rum. Also Katzen sind auch gefährdet, definitiv, aber Hunde viel mehr. Und teilweise höre ich dann auch von Fällen, wo dann irgendwelche Giftköder über irgendwelche Zäune geworfen werden in private Gärten weil der Nachbar vielleicht genervt ist oder Angst hat. Da muss sehr viel Aufklärung betrieben werden in Richtung sind Hunde eigentlich gefährlich, was zeigen Hunde an. Diese ganze Hundesprache ist einfach glaube ich generell nicht so verbreitet. Ist der Hund wirklich krank oder nicht, hat er Tollwut oder nicht, also all diese Geschichten, das ist halt mit sehr viel Aufklärungen verbunden.
Gunda: Wie geht’s dir, wenn du mit deinem Hund unterwegs bist und du bekommst dann solche Sachen mit, beeinflusst dich das dann schon?
Anni: Ja, ganz ganz stark. Als jetzt diese Fälle waren mit der Vergiftung am Strand, ich bin halt nicht mehr zum Strand gegangen, jedes Mal wenn ich mit meinem Hund durch die Reisfelder spazieren gehe und sie frisst was, renne ich da hin und schaue was sie frisst. Bis zu dem Punkt, dass man halt irgendwie so ein Erste-Hilfe-Notfallset im Roller hat, das wenn der Hund irgendwas frisst, man irgendwas machen kann. Wir haben ja jetzt eine neue Leine rausgebracht, habe ich eben erzählt. Mit dieser kleinen Tasche, die für den Schlüssel, für Hundeleckerlies, für Poop-Beutel gedacht ist, die haben wir zum gleichen Zeitpunkt gelauncht, als es mit diesen ganzen Vergiftungsfällen so brisant wurde, dass wir gesagt haben, hey vielleicht müsst ihr da einfach euer Erste-Hilfe-Set reintun, also Kohletabletten oder Wasserstoffperoxid oder Coconutoil. Alles, was die Hunde zum Übergeben bringt, wäre vielleicht hilfreich. Und wir haben das gepostet auf Instagram und gesagt, das soll jetzt keine Marketingaktion werden aber es ist halt super hilfreich, wenn du immer was dabei hast. Und das ist schon sehr sehr traurig, wenn du deine Produkte plötzlich unter einem anderen Aspekt verkaufst, als eigentlich gedacht. Es ist super super stressig derzeit einfach mit dem Hund spazieren zu gehen, es ist nicht schön.
Gunda: Ja, da kann man nur hoffen, dass die Situation irgendwann besser wird. Du hast es vorhin auch gesagt, mit Tierschutzgesetzen ist es halt immer noch so ein bisschen rar gesät. Also es ist nicht so wie bei uns, das Bewusstsein, es ist schon noch ein Stück weiter Weg bis dahin.
Anni: Ja definitiv. Also ich muss sagen BAWA machen einen sehr sehr guten Job, die arbeiten eng mit dem Government zusammen, haben ständig Meetings und wollen das vorantreiben, dass es jetzt Strafen gibt für Tierquälerei. Also es wird viel gemacht und getan und BAWA ist da wirklich ganz grandios unterwegs aber es dauert, also die Mühlen mahlen echt langsam.
Gunda: Wenn Leute vor Ort sind oder auch dort wohnen, ich sage mal Auswanderer oder Leute, die einfach länger dort sind, die können ja ziemlich leicht auch Hunde aufnehmen. Wie sieht’s denn aus wenn man dann mal weiter zieht, kann man denn da irgendwie noch mehr draus machen? Magst du da was zu sagen?
Anni: Ja, also es ist erstens extrem wichtig, wenn man sich dazu entscheidet, dass man einen Hund wirklich für immer aufnehmen und adoptieren möchte, dass man weiß was das bedeutet. Der Hund wird im schönsten Fall vielleicht 15, 16, 17 Jahre bei dir leben. Und leider haben wir das zu Pandemie-Zeiten gesehen, dass ganz ganz viele Hunde, die mal eine Familie hatten, einfach am Strand ausgesetzt wurden. Die überleben halt auch nicht am Strand, weil das keine Straßenhunde mehr sind. Die leben seit fünf Jahren in einer Familie, bekommen morgens und abends ihr Futter und plötzlich werden die am Strand ausgesetzt, weil die Familie dann doch Bali verlassen muss. Und wenn man sich dafür entscheidet, dass man einen Hund adoptieren möchte, ist das einfach ein sehr sehr langes Commitment und auch Kosten. Und wenn man sich überlegt, dass man irgendwann Indonesien verlässt, dann gibt es auf jeden Fall Wege diesen Hund mitzunehmen. Es gibt Agenturen, die dabei helfen. Man muss dann bestimmte Bluttests machen, es gibt den ?Test (Min. 48:06) , den man nach England schicken muss, das wird im Labor untersucht, es gibt Dokumente die vorbereitet werden müssen. Aber es ist alles möglich und meine Freundin und auch ich, wir haben beide schon Hunde nach Deutschland geschickt, die hier adaptiert wurden. Desi macht da sehr sehr viel, sie hat schon so viele Hunde nach Europa geschickt und auch nach Kanada. Und ich selber habe jetzt auch mittlerweile ich glaube drei oder vier Hunde tatsächlich nach Hamburg gebracht. Elly, ein Hund wohnt bei einer Freundin von mir und Milo und Cleo, die wurden über Vierbeiner in Not weitervermittelt. Mit denen habe ich zusammengearbeitet, dass ich auch einfach sicher gehen kann, die kommen eine gute Familie. Es ist ein relativ langer Prozess, das dauert so drei bis vier Monate und es kostet auch ein bisschen Geld und dann muss man natürlich ein Flugticket bezahlen. Und bestenfalls hat man einen Flugpaten, der die Hunde dann mitnimmt, weil es dann günstiger wird. Aber es ist möglich. Man muss es nur vorher wissen und man muss auch wissen, dass es ein bisschen Geld kostet. Aber das ist für mich ganz ganz ganz wichtig, wenn man einen Hund adoptieren möchte, dann bitte für immer und nicht nach zwei Jahren sagen, jetzt passt es eigentlich doch nicht mehr in unsere Planung.
Gunda: Das stimmt. Das sind doch Tiere, oder sage ich mal Familienmitglieder, die dafür eine ganze Weile bei uns leben. Ja schön. Du hast ja vorhin gesagt, unterstützen kann man einfach die Situation, indem man natürlich direkt bei Organisationen mitwirkt, auf welche Weise auch immer. Aber natürlich auch indem man bei dir Produkte kauft. Ich weiß nicht, ob du noch irgendwas dazu hinzufügen möchtest, was dir auf dem Herzen liegt zu dem Thema?
Anni: Ich könnte ewig weiter reden, das ganze Straßenhunde-Thema ist natürlich mein absolutes Herzensprojekt und ich muss sagen, da muss ich Desi ganz stark loben, was sie da täglich leistet. Ich persönlich könnte es nicht. Ich habe immer mal wieder Hunde, die ich rette, die ich mit nach Hause nehme, die ich auch zum Tierarzt bringe und das alles aus eigener Tasche bezahle. Das sind jedes Mal sehr sehr hohe Kosten. Unser letzter Fall war Bizkit, für die haben wir gleich 400-500 € Arztkosten bezahlt weil sie auch ganz stark krank war. Was aber alles egal ist, wenn man hinterher sieht, wie es dem Hund geht und das einfach ein ganz süßer, knuffeliger, fröhlicher Hund wird. Aber diese Belastung für mich, diese emotionale Belastung, zu wissen jemand hat diese Hunde ausgesetzt, wurde dann vielleicht sogar auch noch von anderen Ausländern gesehen und gefilmt aber denen wurde nicht geholfen. Und Bizkit, der letzte Hund den wir gerettet haben, hatte drei Geschwister, die sind alle gestorben. Es macht mich einfach unfassbar traurig. Also du siehst, ich könnte stundenlang drüber reden und deswegen ist es mir sehr sehr wichtig. Klar, ich mag meine Marke, Kali Dogwear ist super, aber am Ende, wenn ich damit Straßenhunden in Bali langfristig helfen kann, dann habe ich alles erreicht und das ist mein großes Ziel. Also das Ziel ist wirklich Kali Dogwear sehr sehr groß zu machen um allen Organisationen dort vor Ort so gut wie möglich zu helfen. Und wir machen was wir können, wir sind mit allen Organisationen im Austausch, wenn wir alle zusammen kommen und alle mit der gleichen Vision und Mission da ran gehen, dann habe ich das gute Gefühl, dass in einigen Jahren vielleicht das Leiden ein Ende haben wird. Das ist das große Ziel.
Gunda: Das ist doch schon mal ein super Ziel! Da wünsche ich dir viel Erfolg dabei, ich hoffe das gleiche eigentlich. Allgemein auch im Land, dass die Situation sich ein bisschen verbessert. Das ist eigentlich ein runder Abschluss als Zukunftsvision für Indonesien, oder? Dass sich die Tiersituation ein bisschen verbessert. Ich sage auch immer, wenn man als Tierliebhaber hierher kommt und hier lebt, dann dauert es eigentlich nicht mehr lange, bis man nicht mehr alleine ist, ob´s jetzt Katzen oder Hunde sind. Man findet sie eigentlich überall und muss dann nur schauen, dass man sich auch wirklich drauf einlässt.
Anni: Ja das stimmt. Und am Ende wird man auch gefunden, so war das mit meinem Hund Kali, das war so, es sollte so sein. Sie bereichert jeden Tag mein Leben, es ist einfach so schön. Aber genau, man muss auch einfach wissen, sie ist jetzt bei uns für eine sehr lange Zeit und ich habe das hundertprozentige Commitment. Egal wo ich leben werde, egal wo ich hingehe, sie wird dabei sein und das ist auch ganz schön zu wissen.
Gunda: Perfekt, dann danke ich dir für deine Zeit, ich wünsche euch alles Gute auf jeden Fall und wer weiß, in Bali, vielleicht treffen wir uns dann mal im neuen Shop, den würde ich sehr gerne sehen. Ich danke dir, tschüss!
Anni: Genau, sag unbedingt Bescheid! Ciao.
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