Herzlich willkommen bei Coconut Talk, deinem Podcast über das Leben in Indonesien. Mein Name ist Gunda, und gemeinsam werden wir die zahlreichen Inseln Indonesiens entdecken.
Hallo liebe Indojunkies, es ist mal wieder soweit für eine neue Podcastfolge. Ich habe mich heute mit Katha verabredet, aus unserer Bali-Serie. Heute geht’s um das Familienleben auf Bali. Wir sprechen darüber, wie eine typische Familie auf Bali lebt, wie die Familienkonstellation traditionell aufgebaut ist und welche Rollenverteilung innerhalb der Familie herrscht. Katha hat uns auch ein bisschen mit in ihr privates Umfeld genommen und aus dem Nähkästchen geplaudert.
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Hallo Katha, schön, dass du wieder mein Gast bist!
Hallo, ja, ich freue mich schon auf die Folge heute.
Wir haben wieder ein spannendes Thema vorbereitet: das Familienleben auf Bali. Es geht um die traditionellen Rollen von Mann und Frau und das Zusammenleben – und wie stark dabei die Traditionen noch eine Rolle spielen. Du hattest mir beim letzten Gespräch schon viele interessante Dinge erzählt, wo ich dachte: Da müssen wir unbedingt noch einmal genauer drüber sprechen! Ich erinnere mich an die Wäsche-Geschichte und die Sache mit Bad und Küche. Für alle, die das interessiert: hört gerne Folge 2 mit Katha. Daran knüpfen wir heute ein bisschen an.
Wo magst du anfangen?
Ja, also Familienleben. Ich sehe da eigentlich zwei Dimensionen, die ineinandergreifen. Einmal das Zusammenleben von Mann und Frau, wie es traditionell auf Bali verankert ist, und dann das erweiterte Familienleben, also das Leben mehrerer Generationen zusammen. Gleichgeschlechtliche Paare existieren offiziell nicht, unverheiratete Paare, die zusammenleben, gibt es traditionell auch nicht. Eine klassische Familie besteht aus Mann, Frau und Kindern – Kinder gehören einfach dazu. Und meistens leben auf demselben Grundstück auch andere Familienangehörige: Eltern, Onkel, Tanten mit ihren Familien. Familie ist also ein sehr weiter Begriff.
Ein großer Unterschied zu westlichen Vorstellungen ist, dass unverheiratetes Zusammenleben nicht akzeptiert ist. Vor der Hochzeit wird traditionell nicht zusammengelebt – das ist erst nach der Hochzeit erlaubt, und zwar direkt mit dem Tag der Hochzeit.
In der traditionellen Vorstellung folgt die Frau dem Mann, das heißt: Sie zieht in das Haus seiner Familie. Meistens lebt dort noch die ältere Generation, also seine Eltern, manchmal auch Geschwister mit ihren Familien.
Das kann man sich nicht wie ein Mehrfamilienhaus vorstellen, sondern eher wie ein großes Haus mit mehreren Zimmern. Jeder hat dort ein Zimmer – die Eltern, das Ehepaar, die Kinder. Küche, Bad und Wohnzimmer werden gemeinsam genutzt.
Auf einem traditionellen balinesischen Familiengelände stehen oft mehrere solcher Häuser. Im Nachbarhaus lebt dann vielleicht der Bruder des Vaters mit seiner Familie. Es ist also ein richtiges Gehöft, kein einzelnes Haus.
In der traditionellen Architektur gibt es oft nur eine gemeinsame Küche für alle. Heute ist das meist moderner – viele haben eigene Küchen. Aber in sehr traditionellen Familien lebt man tatsächlich alle gemeinsam auf einem Grundstück, oft mit einem gemeinsamen Eingang von der Straße.
Das bedeutet auch: Man ist nie allein. Irgendjemand ist immer zu Hause – meistens ältere Familienmitglieder. Kinderbetreuung ist dadurch kaum ein Problem, weil Oma, Tante oder jemand anderes immer da ist.
So sieht also das traditionelle Familienleben aus. Wenn es in einer Familie keinen Sohn gibt, wird es interessant. Denn Balinesen wünschen sich unbedingt Söhne, weil der älteste Sohn traditionell das Familienhaus weiterführt. Gibt es keinen Sohn, zieht manchmal der Ehemann der Tochter in das Haus der Eltern ein. Dann wird er dort wie ein Sohn aufgenommen und gehört zur neuen Familie.
Traditionell bedeutet das aber auch, dass er sich von seiner eigenen Familie lossagt – er dürfte dann theoretisch nicht mehr den Familientempel seiner Herkunftsfamilie besuchen. Heute ist das oft nicht mehr so streng, aber es kommt auf die Familie an.
Manchmal trennen sich Paare auch, bevor sie heiraten, weil sie sich nicht einigen können, in welches Haus gezogen wird – zu seinen Eltern oder zu ihren. Wenn eine Familie sehr traditionell ist, kann das tatsächlich zu Konflikten führen.
Ein weiterer Punkt ist das Kastensystem. Auf Bali gibt es – anders als im übrigen Indonesien – immer noch Kasten, ähnlich wie in Indien, aber nicht ganz so streng. Sie haben wenig Einfluss auf Beruf oder Einkommen, aber sehr wohl auf das soziale Leben. Wenn eine Frau einen Mann aus einer höheren Kaste heiratet, steigt sie auf. Heiratet sie einen Mann aus einer niedrigeren Kaste, „steigt“ sie ab, und das wird von traditionellen Familien nicht gern gesehen.
Ich habe auch schon erlebt, dass Familien deswegen Hochzeiten ablehnen. Es gibt aber auch viele moderne Familien, die das gar nicht mehr wichtig finden.
Was du gerade gesagt hast, passt auch zu der Erbfrage, die wir schon einmal hatten. Frauen können in der traditionellen balinesischen Gesellschaft tatsächlich nichts erben. Das heißt, es ist für sie wichtig zu heiraten, um versorgt zu sein.
Ja, genau. Traditionell ist das so. Heute ist es etwas anders – viele Frauen haben gute Jobs und können sich selbst versorgen. Es gibt Frauen, die in Banken arbeiten, Unternehmerinnen, Lehrerinnen. Sie sind nicht mehr völlig abhängig. Trotzdem: Wer keine Söhne hat, braucht einen Mann im Haus, damit das Land weitervererbt werden kann.
Auch bei den Männern erbt übrigens nicht jeder gleich. Nur der älteste Sohn übernimmt traditionell das Haus und das Land. Der zweite Sohn muss sich selbst etwas aufbauen oder woanders unterkommen.
Bei mir in der Familie ist das zum Beispiel entspannter, auch weil mein Mann der zweite Sohn ist. Wir haben dadurch mehr Freiheiten. Als wir uns kennengelernt haben, war mir diese Tradition noch gar nicht so bewusst. Ich war damals im Rahmen eines Freiwilligenprojekts auf Bali und habe dort in den „cultural classes“ genau diese Dinge gelernt – dass die Frau mit der Hochzeit ins Elternhaus des Mannes zieht und dort mit ihm in einem Zimmer lebt. Für mich war das damals völlig unvorstellbar.
Als ich dann merkte, dass ich mich für meinen heutigen Mann interessiere, wollte ich das natürlich wissen. Ich habe also einen anderen Kollegen aus dem Projekt gefragt, der sehr traditionell war. Und er sagte mir: „Wenn du ihn magst, sag es ihm, dann heiratet ihr, und du wirst balinesische Hausfrau. Du ziehst zu seiner Familie, das ist deine einzige Möglichkeit.“ Ich war völlig geschockt.
Später, beim ersten Date, habe ich meinen Mann darauf angesprochen. Er meinte nur: „Das kommt auf die Familie an. Wenn das Paar Geld hat, kann es sich auch ein eigenes Haus mieten.“ Ich war erleichtert.
Heute leben wir tatsächlich in unserem eigenen Haus, getrennt vom Familiengelände. Das ist für uns beide besser so – mehr Privatsphäre, weniger Einmischung. Im Familienhaus würde sonst ständig jemand vorbeischauen, um zu kontrollieren, ob alles sauber ist.
Grundsätzlich sind die Rollen von Mann und Frau auf Bali aber trotzdem klar definiert. Beide arbeiten – das ist ganz normal. Es gibt hier keine Elternzeit oder staatliche Unterstützung, also muss ohnehin jeder zum Einkommen beitragen. Kinderbetreuung ist kein Problem, weil immer jemand da ist.
Spannend ist, dass viele Frauen sogar mehr arbeiten als ihre Männer. Manche Männer haben repräsentative Aufgaben, etwa im Dorfrat, aber in vielen Familien tragen Frauen finanziell genauso viel oder sogar mehr bei.
Ich kenne keine balinesische Frau, die gar nicht arbeitet. Viele sind gut ausgebildet, arbeiten in Banken oder als Lehrerinnen, manche verdienen mehr als ihre Männer. In meinem Umfeld sind auch viele Frauen in Leitungspositionen – zum Beispiel als Schulleiterinnen, sogar schon unter 30.
Trotzdem gibt es im Alltag eine klare Aufgabenteilung. Im Haus kümmert sich meist die Frau um das Kochen, die Opfergaben und die Organisation. Morgens wird einmal gekocht, und das Essen steht dann den Tag über bereit. Die Frau, meist die Mutter oder Schwiegermutter, hat hier das Sagen.
Aber Männer helfen durchaus mit. Viele waschen und bügeln ihre Kleidung selbst – das ist ganz normal. Mein Mann macht das zum Beispiel super.
Im Tempel ist die Rollenverteilung allerdings strenger: Die Frauen basteln die Opfergaben, die Männer dekorieren den Tempel, bringen die Stoffe an und kochen gemeinsam.
Die Entscheidungen im Dorf werden vom Dorfrat getroffen – und der besteht ausschließlich aus verheirateten Männern. Diese Männer organisieren vieles: kleine Banken, Feste, Märkte, soziale Aktivitäten. Formell haben Frauen dort kaum Einfluss, auch wenn sie natürlich im Hintergrund viel mitbestimmen.
Was das Familienleben betrifft, ist die Familie auf Bali eine sehr starke Einheit. Wenn es etwas zu tun gibt, kommen alle zusammen – auch Verwandte, die in anderen Städten leben. Jeder hat seine Aufgabe.
Wir planen in unserer Familie gerade eine große Zeremonie. Da gab es schon mehrere Treffen, bei denen genau besprochen wurde, wer was macht. Ich habe zum Beispiel die Aufgabe bekommen, das heilige Wasser aus einem Tempel zu holen – zusammen mit meinem Mann. Eine wichtige Aufgabe.
Für mich ist das etwas Besonderes, weil es zeigt, dass ich dazugehöre. Ich bin keine Balinesin, aber ich werde inzwischen einbezogen und habe meinen Platz in der Familie.
Natürlich hat das auch zwei Seiten – es gibt Verpflichtungen, und die Erwartungen sind groß. Aber es ist schön, Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Und ehrlich gesagt: Ich bin auch ganz froh, keine klassische balinesische Hausfrau zu sein. Ich würde mich wahrscheinlich in den ganzen Ritualen und Bastelarbeiten verlieren.
Ja, das glaube ich dir. Ich helfe bei Zeremonien auch immer, Opfergaben zu basteln, aber das ist eine Kunst für sich. Ich befülle sie meist nur mit Blüten und Reis – den Rest machen meine Schwiegermutter und Schwägerin, weil ich mir die Reihenfolge nie merken kann.
Diese gegenseitige Unterstützung ist jedenfalls ein zentraler Bestandteil des Familienlebens. Man hilft sich immer. Und wer nicht mithilft, fällt unangenehm auf – das wäre unhöflich.
Vor unserer Hochzeit zum Beispiel mussten wir uns kaum um die Organisation kümmern. Die Familie hat alles übernommen – vom Aufbau bis zur Dekoration. Und genauso helfen wir heute bei anderen Familienereignissen. Jeder kann sich auf den anderen verlassen.
Das ist eine sehr starke Gemeinschaft – mit positiven und negativen Seiten.
Ja, absolut. Es hat beides. Aber insgesamt finde ich es faszinierend, wie eng die Familien hier verbunden sind.
Ja, auf jeden Fall. Vielen Dank, dass du uns wieder so einen spannenden Einblick gegeben hast.
Sehr gern. Wir hören uns beim nächsten Mal. Tschüss.
Tschüss.
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Danke und bis zum nächsten Mal.






